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Bahnen
Zwei junge Frauen schauen auf einen Fahrplan

Wer macht den NRW-Fahrplan?

Alle Jahre wieder: Jeweils am Sonntag, der auf den zweiten Samstag im Dezember folgt, tritt EU-weit ein neuer Fahrplan für den Schienenverkehr in Kraft. Auch im NRW-Nahverkehr gibt es dann einen Fahrplanwechsel. Aber wer macht eigentlich den NRW-Fahrplan? Daniel André vom Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan (KC ITF NRW) erklärt, wie der NRW-Fahrplan entsteht und beantwortet häufig gestellte Fragen zu Fahrplänen und Fahrplanwechseln.

Wer ist verantwortlich für den NRW-Fahrplan?

Herr André: In NRW gibt es drei Aufgabenträger, den Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), den Nahverkehr Rheinland (NVR) und den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr als Anstalt des öffentlichen Rechts (VRR AöR). Diese Zweckverbände sind nach ÖPNV-Gesetz NRW für die Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs zuständig. Daraus ergibt sich dann notwendigerweise die Fahrplangestaltung.

Die Nahverkehrsleistungen werden im Wettbewerb vergeben und von verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen erbracht. Wer übernimmt da die Fahrplangestaltung?

Herr André: Die Wünsche, wie gefahren werden soll, werden über die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Frühjahr, zwischen März und April, an die DB Netz AG übermittelt. Hier beginnt die eigentliche Arbeit an dem Fahrplan, der dann im Dezember eines Jahres in Kraft treten soll. Bei der DB Netz AG müssen die unterschiedlichen Wünsche so übereinandergelegt werden, dass das Ergebnis für alle Seiten befriedigend ist, und das nicht nur im Nahverkehr, sondern auch im Fern- und Güterverkehr. Da wir gerade in NRW ein sehr hoch ausgelastetes Schienennetz haben, ist dies eine sehr komplexe Aufgabe.

 

Warum gibt es jedes Jahr einen Fahrplanwechsel?

Herr André: Natürlich bleibt auf vielen Linien das Angebot unverändert. Aber häufig gibt es auch Veränderungen. Manchmal wird Infrastruktur fertiggestellt, die einen anderen Fahrplan zulässt. Manchmal gehen neue Stationen in Betrieb, die in den Fahrplan integriert werden müssen. Manchmal wird das Angebot an Fahrten verändert. In diesem Jahr zum Beispiel werden auf vielen Strecken in NRW  abends oder am Wochenende mehr Fahrten angeboten. All diese Änderungen werden in dem neuen Fahrplan, der immer im Dezember in Kraft tritt, zusammengefasst. Zum nächsten Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 wird es einige Veränderungen geben, dazu gehören neue Linien im RRX-Vorlaufbetrieb und die S-Bahn Rhein-Ruhr.

Wodurch zeichnet sich der NRW-Fahrplan besonders aus?

Herr André: Der NRW-Fahrplan ist ein Integraler Taktfahrplan (ITF).  Ein Taktfahrplan zeichnet sich dadurch aus, dass die einzelnen Linien in einer bestimmten Taktung, zum Beispiel halbstündlich, immer zur gleichen Minute verkehren und so für die Kunden ein leicht merkbares, planbares Angebot bereitgestellt wird. Bei einem Integralen Taktfahrplan werden zusätzlich die einzelnen Linien in sogenannten Knoten-Bahnhöfen so verknüpft, dass optimierte Umsteigebeziehungen zwischen den einzelnen Linien geschaffen werden. Die Umsteigezeiten sollen so lange wie nötig und so kurz wie möglich sein. Diese Idee steht hinter dem NRW-Fahrplan.

Warum sind Umsteigebeziehungen oft so schwierig? Und warum können Anschlussverbindungen nicht einfach auf verspätete Linien warten?

Herr André: Das ist pauschal schwierig zu beantworten. Grundsätzlich will man einen Anschluss so planen, dass der Fahrgast genug Zeit zum Umsteigen hat, jedoch auch nicht unnötig am Bahnhof rumstehen muss. Denn dadurch würde ja die Gesamtreisezeit länger und die Verbindung wäre insgesamt weniger attraktiv. Ist nun eine Bahn zu spät, gibt es unterschiedliche vorstellbare Gründe, warum der Anschlusszug nicht warten kann. So muss er ja auch die Anschlüsse auf andere Züge im weiteren Linienverlauf herstellen. Wartet er zu lange, kann er seinen Fahrplan nicht halten und andere Anschlüsse gehen verloren.

Wie laufen die Abstimmungsprozesse zwischen Fahrplänen auf der Schiene und im kommunalen Bus- und Bahnverkehr?

Herr André: Von der Theorie her ist es so, dass zuerst die Fahrpläne im Schienenverkehr erstellt werden und sich die Fahrpläne im kommunalen Verkehr mit Bus, U- und Straßenbahn danach richten sollten. Natürlich sollte man, wenn man Änderungen im Schienenverkehr plant, auch die kommunalen Verkehrsunternehmen frühzeitig informieren, damit diese ihre Fahrpläne vor Ort anpassen können. Die kommunalen Verkehrsunternehmen wechseln ihre Fahrpläne deshalb häufig erst nach dem großen Fahrplanwechsel auf der Schiene.

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