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Ein älterer, männlicher Fahrgast im Gespräch mit einer Busfahrerin.

Nah­ver­kehr im Test: Mo­bil im Al­ter

Auch im Al­ter noch mo­bil: Zahl­rei­che Se­nio­ren nut­zen be­reits heu­te den nord­rhein- west­fä­li­schen Nah­ver­kehr. Um her­aus­zu­fin­den, ob das An­ge­bot den Be­dürf­nis­sen der Se­nio­ren ent­spricht, ha­ben DB Re­gio NRW und die Lan­des­se­nio­ren­ver­tre­tung NRW ei­ne ge­mein­sa­me Ak­ti­on ge­star­tet – den Nah­ver­kehrs­test 60+. Wir durf­ten ei­nen der zehn Pro­be­fah­rer be­glei­ten.

Sta­ti­on 1: Frön­den­berg/Ruhr

Fünf Glei­se, ein klei­nes Bahn­hofs­ge­bäu­de und nur we­ni­ge Men­schen: Am Bahn­hof Frön­den­berg herrscht zur Mit­tags­zeit kaum Be­trieb. Ne­ben mit Ein­kaufs­ta­schen be­la­de­nen Frau­en und ei­ni­gen Kin­dern, die die letz­ten Ta­ge der Som­mer­fe­ri­en ge­nie­ßen, steht Nor­bert Zim­me­ring auf dem Bahn­steig und stu­diert den Fahr­plan. „In zehn Mi­nu­ten kommt un­ser Re­gio­nal­ex­press“, stellt der 70- Jäh­ri­ge ni­ckend fest. Seit 2014 ist der Di­plom- So­zi­al­päd­ago­ge im Ru­he­stand und nun fast ak­ti­ver als frü­her, wie er mit ei­nem Schmun­zeln er­klärt: „Ich bin ein sehr em­si­ger Bahn­fah­rer und kom­me in mei­ner Frei­zeit viel her­um. Da­bei macht man zwangs­läu­fig sei­ne Er­fah­run­gen mit Bus und Bahn – gu­te, aber auch schlech­te.“

Kein Wun­der al­so, dass er sich so­fort für den Nah­ver­kehrs­test be­wor­ben hat. Vom 15. Au­gust bis zum 15. Sep­tem­ber führt Zim­me­ring nun fünf Test­fahr­ten durch, bei de­nen er mit dem Schö­ner­Tag­Ti­cket NRW, das ihm da­für kos­ten­los von DB Re­gio NRW zur Ver­fü­gung ge­stellt wur­de, in der gan­zen Re­gi­on un­ter­wegs ist. Den Start­schuss für sei­ne ers­te Tour gibt der Re­gio­nal­ex­press RE 17, der ge­ra­de lang­sam am Bahn­hof Frön­den­berg ein­fährt und an­schlie­ßend wei­ter in Rich­tung Sau­er­land rat­tert.

„Für die Test­fahr­ten ha­be ich mir Stre­cken aus­ge­sucht, die ich vor­her selbst noch nicht ge­fah­ren bin“, er­klärt Zim­me­ring, wäh­rend er es sich auf ei­nem Sitz am Fens­ter be­quem macht. „So will ich her­aus­fin­den, wie gut man sich als Se­ni­or auf un­be­kann­ten We­gen ori­en­tie­ren kann.“ Nach ei­nem kur­zen Blick auf sei­nen aus­ge­druck­ten Stre­cken­plan – „Schließ­lich darf ich nicht mei­ne Um­stei­ge­hal­te­stel­le ver­pas­sen“ – holt der 70- Jäh­ri­ge Ta­blet und Smart­pho­ne aus sei­ner blau­en Um­hän­ge­ta­sche.

„Da­mit ver­trei­be ich mir wäh­rend län­ge­rer Fahr­ten ger­ne die Zeit.“ Auch den Ti­cket­kauf wi­ckelt er meis­tens on­line ab. Die Au­to­ma­ten sei­en ihm zu un­über­sicht­lich, so­dass er schnell ner­vös wer­de und Be­den­ken ha­be, ei­nen fal­schen Fahr­schein zu kau­fen. Da­ne­ben in­for­miert er sich über Fahr­plan­aus­künf­te oder Bau­stel­len eben­falls über die In­ter­net­sei­ten der Ver­kehrs­un­ter­neh­men. „Trotz­dem ist es wich­tig, dass die Aus­hän­ge und elek­tro­ni­schen Ta­feln an den Sta­tio­nen gut funk­tio­nie­ren und les­bar sind“, gibt Zim­me­ring zu Be­den­ken. „Bis­her hat­te ich da­mit al­ler­dings kei­ne Pro­ble­me.“ Als Hör­ge­rä­te­trä­ger sieht er je­doch gro­ßen Ver­bes­se­rungs­be­darf bei den Durch­sa­gen an den Bahn­hö­fen, die oft un­deut­lich und nur schwer ver­ständ­lich sind. „Manch­mal stand ich des­halb schon am fal­schen Bahn­steig“, er­in­nert sich der Pro­be­fah­rer, und er­zählt von der Un­si­cher­heit, die da­mit ein­her­geht.

Sta­ti­on 2: Frei­en­ohl

Das Haupt­pro­blem für mo­bi­le Se­nio­ren sind laut Zim­me­ring kur­ze Um­stei­ge­zei­ten: „Ge­ra­de Bahn­fah­rer, die be­we­gungs­ein­ge­schränkt sind oder Ge­päck da­bei ha­ben und Trep­pen lau­fen müs­sen, er­rei­chen die An­schluss­zü­ge nur sel­ten. Und dann dau­ert es oft sehr lan­ge, bis die nächs­te Bahn kommt.“ Un­se­re Um­stei­ge­hal­te­stel­le in Frei­en­ohl wirkt ähn­lich be­schau­lich wie Frön­den­berg, den­noch fin­den wir auf­grund feh­len­der Be­schil­de­rung nur mit Hil­fe ei­nes Pas­san­ten die Bus­hal­te­stel­le zur Wei­ter­fahrt.

Für Zim­me­ring ein per­fek­tes Bei­spiel: „Schwie­rig wird es vor al­lem dann, wenn man sich in ei­nem un­be­kann­ten und teils un­über­sicht­li­chen Bahn­hof ori­en­tie­ren muss. Da ent­steht schnell Ner­vo­si­tät, be­son­ders bei äl­te­ren Bahn­fah­rern.“ Vor dem Bus­fens­ter zie­hen mitt­ler­wei­le sanf­te Hü­gel, Fach­werk­häu­ser und ver­ein­zel­te Kuh­her­den vor­bei – Sau­er­land- Idyl­le pur. „Noch drei Hal­te­stel­len, dann sind wir in Schmal­len­berg“, ruft die Bus­fah­re­rin, die sich vor Be­ginn der Fahrt nach un­se­rem Ziel er­kun­digt hat. Zim­me­ring freut sich über die freund­li­che Aus­kunft: „Mei­ner Er­fah­rung nach sind Bahn­mit­ar­bei­ter in Groß­städ­ten oft ge­stresst und schnell ge­nervt, wenn man nach In­for­ma­tio­nen fragt. Dar­um fühlt man sich als Se­ni­or teil­wei­se nicht ernst ge­nom­men.“ Im länd­li­chen Be­reich gin­ge es da ent­spann­ter zu.

Sta­ti­on 3: Schmal­len­berg

Nach der Tour durchs tiefs­te Sau­er­land hält der Bus an ei­nem be­leb­ten Platz in Schmal­len­berg – End­sta­ti­on für die Pro­be­fahrt von Nor­bert Zim­me­ring. Der 70- Jäh­ri­ge ist mit sei­ner ers­ten Test­fahrt zu­frie­den: „Un­ter­wegs ha­ben sich ei­ni­ge der Er­fah­run­gen, die ich frü­her schon im Nah­ver­kehr ge­macht ha­be, be­stä­tigt. Jetzt bin ich ge­spannt, was ich bei den wei­te­ren Fahr­ten er­le­ben wer­de.“ Auch die Mei­nun­gen der an­de­ren Pro­be­fah­rer in­ter­es­sie­ren ihn. „In Zu­kunft wer­den im­mer mehr Se­nio­ren mit Bus und Bahn fah­ren“, ist sich Zim­me­ring si­cher. „Dar­um freue ich mich dar­auf, zu se­hen, wie das be­reits gu­te An­ge­bot wei­ter­hin ver­bes­sert wird.“

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