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Bahnen
Zwei Frauen stehen auf Siemens-Werkgelände vor einem RRX-Zug. Die eine Frau lächelt und streckt den Daumen hoch, die andere flext ihren Oberarm.

Schwere Maschinen und Frauenpower: Fokus Bahn NRW organisiert Schnuppertag

Einmal selbst im Führerstand stehen – diese Gelegenheit hatten sieben Frauen bei einem Schnuppertag der Bahnen in NRW. Die Lokführerinnen Christiane Zeymer und Andrea Siegert gaben einen Einblick in ihren Berufsalltag und bewiesen: Dieser Job ist nicht nur Männersache.

„Viele Frauen sind sich gar nicht darüber bewusst, dass der Lokführerberuf auch für sie eine tolle Perspektive bietet. Und das wollen wir heute ändern“, betont Barbara Tünnemann, Sprecherin des Landesprogramms Fokus Bahn NRW. Denn obwohl das Berufsfeld des Triebfahrzeugführers für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet ist, sind die Führerstände NRWs derzeit noch überwiegend in männlicher Hand.

Um neue Berührungspunkte mit dem Berufsfeld zu schaffen, organisierte die Fokus Bahn NRW gemeinsam mit ihren beiden Programmpartnern National Express und Keolis Deutschland daher den Schnuppertag. Sieben Teilnehmerinnen der Befragung „Lokführer – ein Frauenberuf?“, trafen sich auf dem Siemens-Werkgelände und durften den RRX-Führerstand aus der Nähe kennenlernen und durch den direkten Austausch mit den Lokführerinnen hinter die Kulissen des Berufs schauen. Es zeigte sich schnell: Vorurteile über Männerberufe haben hier keinen Platz.

„Ich bin Pink, ich bin Glitzer.“

Bestes Beispiel dafür, dass sich Frau nicht von Klischees über eine männerdominierte Branche abschrecken lassen soll, ist Lokführerin Andrea. Über die Empfehlung einer Freundin ist sie zu dem Beruf gekommen – ihr erster Gedanke damals: Das passt doch gar nicht zu mir. „Ich bin Pink, ich bin Glitzer und ich hatte nichts mit Technik am Hut“, lacht die 30-Jährige. „Jetzt liebe ich meinen Job.“

Auch Triebfahrzeugführerin Christiane ist sich sicher, technische Hürden seien viel geringer als vor 30 oder 40 Jahren und kein Grund dafür, als Frau unsicher zu sein. „Es gibt auch technisch nicht versierte Männer“, schmunzelt die Lokführerin, „und die haben wir auch dabei.“ Sie glaubt, die größte Herausforderung sei nicht etwa jobspezifische Voraussetzungen, sondern der eigene Mut, einen neuen Weg einzuschlagen. Nach zehn Jahren der Selbständigkeit stand für die damals 54-Jährige fest, dass sich in ihrem Berufsleben etwas ändern muss. „Ich habe für mich hinterfragt, was ich eigentlich vom Leben will. Und das war vor allem berufliche Sicherheit.“

„Ich habe keine Zukunftsängste mehr.“

Angst vor Altersarbeitslosigkeit oder fehlender Absicherung müsse sich Christiane in ihrem jetzigen Job nicht mehr machen. „Ich habe keine Zukunftsängste mehr. Selbst wenn ich umziehen sollte, weiß ich, dass überall ein Arbeitsplatz auf mich wartet.“ Lokführerin Andrea fügt hinzu: „Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich in den Urlaub fahren kann oder meine Überstunden bezahlt werden. Wir sind tariflich abgesichert.“

Dass der Jobwechsel nach so vielen Jahren der Berufstätigkeit bei den Bahnen in NRW überhaupt möglich war, hat Christiane bei ihrer Neuorientierung besonders überzeugt: „Bei der Umschulung war jedes Alter von 25 bis 55 vertreten. Hätte ich gemeinsam mit 17- bis 20-Jährigen noch einmal die Schulbank in einer Berufsschule drücken müssen, wäre das sicherlich ein ganz anderes Abenteuer geworden.“

Andrea hat diesen Schritt ebenfalls gewagt: „Eigentlich wollte ich Polizistin werden, aber dafür bin ich zu klein. Als Lokführerin ist das kein Problem und ich erlebe jetzt jeden Tag so viel Neues, keine Schicht ist wie die andere.“

Liebe Frauen, traut euch!

Rückblickend bereuen Christiane und Andrea die Entscheidung zur Umschulung kein Bisschen, im Gegenteil: Dass die beiden Powerfrauen Feuer und Flamme für ihren Beruf sind, ist nicht zu übersehen – und diese Leidenschaft steckt an. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich selbst als Lokführerin vorstellen könne“, gibt Sophia L. (30) zu. „Aber der Tag war wirklich super spannend. Es ist toll zu sehen, mit welcher Begeisterung die Beiden von ihrem Berufsalltag erzählen.“

Auch Silke B. (36) ist positiv überrascht: „Ich habe heute so viel Neues kennengelernt, Dinge, die ich nie für mich in Betracht gezogen hätte.“ Genau an diesem Informationsdefizit will die Initiative anknüpfen und in dem gemeinsamen Teilprojekt „Attraktive Arbeitgeber“ verstärkt auf Frauen als Zielgruppe eingehen. „Wir müssen an einem Strang ziehen“, appelliert Cansu Erdogan, Pressesprecherin von National Express „und gemeinsam dafür sorgen, dass Frauen wissen, dass der Job auch für sie passt!“

Nicole Pizzuti, Leitung Unternehmenskommunikation von KEOLIS Deutschland, betont: „Wir Frauen müssen uns mehr zutrauen und selbstsicherer sein. Glaubt an euch, ihr könnt den Job mindestens genauso gut wie ein Mann!“

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