Bahnen
Ein Mann sitzt an einem PC und loggt sich in den Fernlergang ein.

Lokführer-Umschulung im Fernlehrgang

Bei der Lokführer-Umschulung geht die National Express Rail GmbH neue Wege: Seit September 2020 erhalten 18 Umschüler/innen ihren theoretischen Unterricht im virtuellen Klassenzimmer. Das Pilotprojekt Fernlehrgang findet in Kooperation mit der LokSpace GmbH statt – und ist nicht nur in Corona-Zeiten eine Alternative für die erfolgreiche Qualifizierung neuer Lokführer/innen.

Vorsignal oder Hauptsignal? Schutzsignal oder Weichensignal? Weißes oder gelbes Licht? Langsam fahren oder bremsen? Auf dem Bildschirm geht es Schlag auf Schlag – Klick für Klick. Heute steht die Signaltechnik im Zugverkehr auf dem Lehrplan: Ausbilder Nino Caniglia fragt seine 18 Schüler/innen ganz gezielt ab, bevor es in die 30-minütige Pause geht – schließlich haben sie schon vier Unterrichtsstunden vor dem Bildschirm hinter sich, die viel Konzentration erfordern. „Dieser Kurs ist extrem motiviert“, so Caniglia. Dabei ist der Fernlehrgang für den 31-jährigen Ausbilder eine Premiere – ebenso wie für die fünf Frauen und die dreizehn Männer, die als Lokführer/innen bei National Express in elf Monaten durchstarten wollen. Ihre erste Prüfung, den sogenannten Lokführer-Führerschein, haben sie bereits nach sechs Wochen Unterricht erfolgreich bestanden.

Persönliche Betreuung im virtuellen Unterricht

Die Lokführer-Umschulung im Fernlehrgang sieht Caniglia nicht nur in Corona-Zeiten als Alternative zum Präsenzunterricht. Denn anders als vermutet, erweist sich der virtuelle Unterricht für den Ausbilder als sehr effizient: „Ich kann über die Lernstandsplattform das Wissen jedes Kursteilnehmers viel besser einsehen und ganz individuell auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse eingehen. Außerdem kann ich jeden Teilnehmer im privaten Chat auf mögliche Probleme ansprechen. Im Klassenzimmer vor einem großen Kurs ist das gar nicht möglich. Das Lernen wird also persönlicher und intensiver“, beschreibt der 31-Jährige die Vorteile.

Eigenes Tablet für jeden Umschüler im Fernlehrgang

Das bestätigt auch Umschülerin Miriam Girschofski: „Mit der Lernsoftware kann ich nach dem Unterricht das Erlernte aktiv vertiefen. Das ist nachhaltig und viel mehr als nur Pauken im Klassenzimmer.“ Mitschüler Philipp Graf zeigt sich ebenfalls begeistert über die technische Ausstattung. „Mit einem eigenen Tablet wurden wir für die Umschulung hervorragend ausgestattet. Da wurden keine Kosten gescheut.“ Dabei hätten sich beide auch ohne Fernlehrgang für die Lokführer-Umschulung entschieden. Miriam Girschofski suchte nach einer Ausbildung als Automobilverkäuferin und jahrelanger Tätigkeit für eine Flugschule eine neue Herausforderung. Philipp Graf, ein gelernter Eventmanager, erfüllte sich seinen Kindheitstraum; die Corona-Krise hat seine Entscheidung zur Umschulung noch einmal bestärkt.

Mehr Zeit zum Lernen im Lokführer-Fernlehrgang

Den Fernlehrgang werten nun beide als großes Plus. Miriam Girschofski, Mutter einer sechsjährigen Tochter, sieht vor allem die gewonnene Fahrzeit als Gewinn: „Die kann ich jetzt zum Lernen nutzen.“ Schließlich ist die Umschulung mit acht Stunden Unterricht ein Vollzeit-Job. Allerdings verlange der Fernlehrgang auch Selbstdisziplin, meint Philipp Graf: „Man muss die gewonnene Zeit natürlich auch zum Lernen nutzen und darf sich Zuhause nicht ablenken lassen.“ Komplett auf sich allein gestellt ist dabei aber niemand. Die Auszubildenden organisieren sich untereinander in Lerngruppen und auch die Ausbilder von LokSpace sind sogar außerhalb der eigentlichen Unterrichtszeiten für Rückfragen erreichbar – im Chat oder telefonisch.

Kleine Gruppen beim Training im Zugsimulator

Selbstverständlich kennen sich die Umschüler/innen und Ausbilder im Fernlehrgang auch persönlich. Im Ausbildungszentrum von LokSpace in Hagen, finden regelmäßige Präsenzstunden zu fest vereinbarten Terminen statt. In Pandemiezeiten treffen sich hier kleine Gruppen mit maximal fünf Personen. „Wir sind praktisch eine richtige Schulklasse und bilden gemeinsame Lerngruppen“, erzählt Girschofski. „Die kleine Gruppenstärke ist auch für das Fahrtraining im Zugsimulator ideal. Da kommt man oft genug zum Zug“, findet Philipp Graf.

So fühlen sich die Umschüler/innen im Fernlehrgang optimal auf die noch anstehenden Prüfungen und die fahrpraktische Ausbildung vorbereitet. Vor ihrer Abschlussprüfung im August 2021 werden sie dann noch die notwendigen 40 Praxisschichten in Begleitung eines erfahrenen Ausbildungstriebfahrzeugführers von National Express im Führerstand auf der realen Strecke absolvieren.Dann übernehmen sie als ausgebildete Lokführer/innen ihre eigenen Züge im Streckennetz von National Express in Nordrhein-Westfalen.

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