Bahnen
Eine Person schreibt auf ein Blatt.

So läuft die Bewerbung beim Quereinstieg zum Lokführer ab

Wer sich für einen beruflichen Wechsel entscheidet und plant, Triebfahrzeugführer bei den Bahnen in NRW zu werden, steht oft vor der Frage: Wie läuft eine Bewerbung beim Quereinstieg zum Lokführer eigentlich ab? Wir erklären die einzelnen Schritte des Bewerbungsverfahrens genauer und geben einige Tipps.

Die Bewerbung

Der Einstieg in jedes Unternehmen beginnt mit der Bewerbung. Sie ist die Visitenkarte, mit der man sich beim jeweiligen Unternehmen vorstellt. Personalverantwortliche haben nur wenig Zeit, sich mit jeder Bewerbung detailliert zu beschäftigen. Daher ist es wichtig, als Bewerber herauszustechen, um von sich zu überzeugen.

Der Lebenslauf

Beim Lebenslauf sollte man vor allem auf die richtige Struktur achten:

  • Grunddaten ganz nach oben (z. B. Geburtsdatum und Kontaktmöglichkeiten)
  • Schulischer und beruflicher Werdegang getrennt
  • Aktueller Job ganz oben, danach chronologisch rückwärts
  • Bisherige Jobs in Stichpunkten zusammenfassen (Tipp: Bezug zum Lokführerberuf aufzeigen)
  • Wenn bereits vorliegend: polizeiliches Führungszeugnis und Auszug aus dem Fahreignungsregister beilegen
  • Übersicht von Zertifikaten, Weiterbildungen oder Ehrenämtern aufnehmen (wenn Bezug zur Umschulung besteht)

Wer etwas Hilfe bei der Gestaltung des Lebenslaufs braucht, findet im Internet einige Vorlagen (etwa bei Karrierebibel), die bei der Ausarbeitung nützlich sind.

Das Anschreiben

Neben dem Lebenslauf gibt auch einige Dinge, auf die man beim Verfassen des Anschreibens achten sollte:

  • Immer an den persönlichen Ansprechpartner richten (Tipp: Im Zweifelsfall nachfragen)
  • Auf Standardphrasen verzichten, lieber deutlich machen, warum die Umschulung für einen selbst wichtig und interessant ist sowie den Wechselwunsch begründen
  • Erlangtes Fachwissen und Hintergrundwissen deutlich machen
  • „Roten Faden“ einhalten
  • Absätze nutzen, um den Text besser lesbar zu machen und sinnvolle Abschnitte voneinander abzutrennen
  • Deutlich machen, ab welchem Zeitpunkt man dem Unternehmen zur Verfügung stehen kann

Insgesamt sollte das Anschreiben inklusive Adresszeilen nicht länger als eine Seite sein.

Extra-​Tipps

Hier noch ein paar Hinweise, die deine Bewerbung noch besser machen:

  • Bewerbung noch einmal gegenlesen lassen
  • Bei Postversand ein Deckblatt mit Foto und Grunddaten beilegen
  • Bei Online-​Bewerbung darauf achten, alle Dokumente in ein einziges PDF zusammenzufassen und dieses dann zu verkleinern (z. B. mit Online-​Tools wie Smallpdf)

Dann heißt es warten und Daumen drücken. Aufgrund des aktuellen Lokführermangels kannst du damit rechnen, dass du innerhalb von wenigen Tagen bereits eine Rückmeldung erhältst.

Das Vor­stel­lungs­ge­spräch

Es hat ge­klappt: Du be­kommst ei­ne Ein­la­dung zu ei­nem per­sön­li­chen Ge­spräch. Jetzt nicht ner­vös wer­den! Den bes­ten Ein­druck machst du, wenn du ru­hig, ge­las­sen und au­then­tisch bist. Ei­ne gu­te Vor­be­rei­tung hilft zu­dem da­bei, sou­ve­rän auf al­le Fra­gen des po­ten­zi­el­len Ar­beit­ge­bers rea­gie­ren zu kön­nen.

Schau dir vor dem Ter­min noch ein­mal ge­nau das Un­ter­neh­men an. Wel­che Li­ni­en be­dient es ge­nau? Wo­für steht es? Wie ist es auf­ge­baut? Durch die­ses Vor­wis­sen zeigst du im Ge­spräch, dass du dich wirk­lich für das Un­ter­neh­men in­ter­es­sierst. Da­bei kannst du dir auch di­rekt ei­ni­ge Fra­gen über­le­gen, die du im Ge­spräch stel­len möch­test. Nach­fra­gen wer­den von Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen ger­ne ge­se­hen. Hier­mit machst du näm­lich deut­lich, dass du dich gründ­lich mit den an­ge­bo­te­nen In­for­ma­tio­nen aus­ein­an­der­ge­setzt hast.

Da­nach soll­test du dir noch ein­mal dei­nen Le­bens­lauf vor­neh­men. Über­le­ge dir: Bei wel­chen Punk­ten könn­ten Fra­gen auf­kom­men? Und wie kann ich sie be­ant­wor­ten? Wei­ter­hin soll­te man in der La­ge sein, den ei­ge­nen Wer­de­gang kurz und knapp münd­lich zu­sam­men­zu­fas­sen. Span­nen­de As­pek­te soll­te man da­bei be­to­nen, wenn sie zum Quer­ein­stieg als Lok­füh­rer pas­sen.

Wor­auf das Un­ter­neh­men wäh­rend des Ge­sprä­ches ach­tet, hat uns Pe­ter Bos­se, Lei­ter Per­so­nal­ma­nage­ment bei Abel­lio Rail NRW, im In­ter­view ver­ra­ten.

Die Eig­nungs­tests

Das Ge­spräch lief gut und du konn­test das Un­ter­neh­men von dir über­zeu­gen. Jetzt müs­sen nur noch die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Vor­ga­ben er­füllt wer­den, da­mit der Quer­ein­stieg zum Lok­füh­rer ge­lingt. In der Trieb­fahr­zeug­füh­rer­schein­ver­ord­nung sind zwei bin­den­de Test vor­ge­se­hen: Ein me­di­zi­ni­scher und ein psy­cho­lo­gi­scher Eig­nungs­test. Die Un­ter­su­chun­gen die­nen da­bei nicht nur dem Schutz der Fahr­gäs­te, son­dern auch dem der an­ge­hen­den Lok­füh­rer selbst.

Der me­di­zi­ni­sche Test

Bei der me­di­zi­ni­schen Un­ter­su­chung wird über­prüft, ob du kör­per­lich in der La­ge bist, ein Trieb­fahr­zeug zu fah­ren. Hier­zu wird et­wa kon­trol­liert, ob das Seh-​ und Hör­ver­mö­gen den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben ent­spricht. Bei Um­schü­lern über 40 Jah­ren wird zu­dem das Herz mit ei­nem Ru­he-​EKG un­ter­sucht.

Der psy­cho­lo­gi­sche Test

Beim psy­cho­lo­gi­schen Test wird be­wer­tet, wie gut dei­ne ko­gni­ti­ven Fä­hig­kei­ten sind, et­wa dein Kon­zen­tra­ti­ons­ver­mö­gen und Ge­dächt­nis, und ob dei­ne mo­to­ri­schen Fä­hig­kei­ten für den Ein­satz auf der Schie­ne ge­eig­net sind. Auch Per­sön­lich­keits­fak­to­ren wer­den un­ter­sucht, wenn sie Be­zug zum All­tag als Lok­füh­rer be­sit­zen.

Die Um­schu­lung

Nach Be­ste­hen der Tests kann dei­ne Um­schu­lung end­lich be­gin­nen. Wenn du dich für den ge­nau­en Ab­lauf in­ter­es­sierst, schau dir die Er­fah­rungs­be­rich­te von Chris­ti­an Sieg­mund, Paul Un­ruh oder Ci­had Kay­man an, die von ih­rem ei­ge­nen Quer­ein­stieg als Lok­füh­rer er­zäh­len. Zu­dem er­klärt Bas­ti­an Wein­ber­ger, Aus­bil­dungs­ko­or­di­na­tor für Trieb­fahr­zeug­füh­rer bei Na­tio­nal Ex­press, im In­ter­view wei­te­re As­pek­te des Ab­laufs.

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