Triebfahrzeugführer*in

Dieser Job ist das Gegenteil von Langeweile

Eine Frau langweilt sich.
Veröffentlichungsdatum
01.10.2026

Immer der gleiche Ablauf, immer die gleiche Strecke, immer die gleiche Leier? Von wegen. Drei Triebfahrzeugführerinnen erzählen, warum ihre Arbeitstage niemals langweilig sind – und warum genau das ihr Ding ist.

Wer sich einen Beruf mit richtig viel Abwechslung wünscht, sollte vielleicht mal über einen Jobwechsel zu den Bahnen in NRW nachdenken. Denn der Führerstand ist einer der wenigen Arbeitsplätze, an dem sich buchstäblich jeden Tag ein neues Bild vor der Scheibe abspielt. Wir haben mit drei Triebfahrzeugführerinnen der Bahnen in NRW gesprochen. Sie sind unterschiedlich alt, kommen aus ganz verschiedenen Berufen und fahren für verschiedene Unternehmen. In einem Punkt sind sie sich aber einig: Langweile gibt es hier nicht.

„Es kann viel passieren"

Am deutlichsten bringt es Anne auf den Punkt. Sie fährt seit 2022 für die NordWestBahn im Weser-Ems-Netz, vorher war die 42-Jährige Filialleiterin im Einzelhandel. „Du hast keinen Tag, der läuft wie der andere ", sagt sie. Aber dazwischen könne eben viel passieren: eine Störung, etwas am Fahrzeug, ein unerwarteter Halt. Genau das liebt Anne so an ihrem Job.

Ähnlich klingt es bei Ann-Marie. Die 33-Jährige macht gerade ihre Qualifizierung zur Triebfahrzeugführerin bei der DB Regio, vorher arbeitete sie im Sicherheits- und Kontrollbereich. Irgendwann habe sich ihr alter Job „im Kreis gedreht", sagt sie. – sie wollte etwas Anspruchsvolleres. Heute schätzt sie genau das, was andere abschrecken könnte: „Bei der Bahn ist immer irgendwas und es macht mir Spaß, die ganze Verantwortung zu tragen."

Eine dunkelblonde Frau in Uniform steht vor einem RRX-Zug am Bahnsteig und zeigt auf etwas Besonderes.

Man merkt, wie alles langsam erwacht

Claudia

Triebfahrzeugführerin

Dein Leben, deine Schicht

Kein Tag mit Langweile heißt nicht: keine Planbarkeit. Wann du fährst, kannst du mitgestalten. Claudia meldet bei der Disposition an, ob sie in den nächsten Wochen früh oder spät arbeiten möchte – „und das wird fast immer eingehalten."

Dazu kommt ein Ruhetagsplan, mit dem sie Termine lange im Voraus legen kann. Auch Anne lobt die Personalkoordinator*innen: „Die kriegen uns alle gut unter einen Hut." Ob Arzttermin, Familie oder das Wochenende – wer rechtzeitig Bescheid gibt, findet fast immer eine Lösung.

Claudia kennt diesen wechselnden Blick besonders aus der Frühschicht. Die 46-Jährige fährt für VIAS in ganz NRW, vorher war sie im Einzelhandel als Abteilungsleiterin tätig. An frühen Diensten mag sie, dass sie die Natur jeden Tag aufs Neue erlebt – „man merkt, wie alles langsam erwacht". Die Landschaft verändere sich ständig. Was für Fahrgäste hinten oft nur Fahrtzeit ist, ist vorne im Führerstand ein täglich neues Panorama.

Abwechslung heißt auch: Verantwortung

Dass kein Tag wie der andere ist, hat einen einfachen Grund: Wer einen Zug fährt, trifft ständig Entscheidungen. Vorausschauend fahren, Signale im Blick behalten, auf Fahrgäste achten, bei Störungen schnell reagieren. Konzentriert sein, entscheiden, immer einen Schritt voraus denken – das gehört dazu. Wie du das lernst, liest du hier. Und Anne beschreibt, dass man genau daran wächst: „Man merkt, dass man echt über sich hinauswachsen kann.“ Genau das macht den Unterschied zu einem Job, in dem man morgens weiß, wie der Abend aussieht. Die Abwechslung ist nicht zufällig – sie gehört zum Beruf.

Was du wissen solltest 

  • Triebfahrzeugführer*in (Lokführer*in): steuert Regional- und S-Bahnen im Nahverkehr.
  • SPNV: Schienenpersonennahverkehr, also der Regional- und S-Bahn-Verkehr.
  • EVU: Eisenbahnverkehrsunternehmen – die Firmen, die die Züge betreiben, zum Beispiel VIAS, National Express, eurobahn, DB Regio NRW oder NordWestBahn.

Im Quereinstieg zum spannenden Job

Verantwortung heißt bei den Bahnen in NRW nicht, dass du damit allein dastehst. Im Gegenteil. Fällt unterwegs etwas aus, ist Hilfe nur einen Anruf entfernt – und unter den Kolleg*innen wird zusammengehalten. Anne beschreibt ihr Team als „unglaublich toll“ – man sei sofort füreinander da, hilfsbereit und kollegial. Taucht ein Problem oder ein Missverständnis auf, ist immer jemand ansprechbar. Genau das macht den Unterschied: Du triffst deine Entscheidungen vorne im Führerstand – aber du bekommst Rückendeckung, wenn es darauf ankommt.

Was die drei Frauen verbindet: Keine von ihnen ist mit der Bahn groß geworden. Alle sind über den Quereinstieg gekommen. Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung – egal in welchem Bereich. Die Qualifizierung dauert rund zwölf Monate, und du man wird von Anfang an bezahlt. Anspruchsvoll ist sie, das sagen alle ehrlich. Aber machbar: Die Bahnen in NRW unterstützen bei jedem Schritt der Ausbildung. Und danach wartet ein Job, bei dem der Plan morgens nur der Anfang ist. Alles zum Quereinstieg liest du hier. 

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Projekts „Frauen auf den Führerstand!“ entstanden. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um den Frauenanteil beim Fahrpersonal im nordrhein-westfälischen Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zu erhöhen. Im Laufe der Arbeit hat sich der Fokus jedoch erweitert: Heute setzen wir uns dafür ein, die Arbeitsbedingungen für das gesamte Fahrpersonal zu verbessern, unabhängig vom Geschlecht. Das bedeutet: eine klare Haltung gegen Sexismus, bessere Hygiene- und Sicherheitsstandards, faire Schichtplanung und echte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Der Projektname „Frauen auf den Führerstand!“ steht nach wie vor für den ursprünglichen Anlass, das Projekt selbst ist heute aber breiter aufgestellt.

 

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Bahnen in NRW, shutterstock/Kues